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Auf einer Veranstaltung des Ortsvereins Melle Wellingholzhausen, am 19. August 2010, wurden die Gäste vor Ort verschiedene Auswirkungen der Gesundheitsreform informiert.

Melle
04. September 2010 0 Kommentare

Dr. med. Ralph Lübbe, Arzt für Neurologie und Psychiatrie aus Osnabrück hielt einen anschaulichen Vortrag mit dem Titel „Gesundheitsreform – Quo vadis?“.

Zunächst einmal erklärte er, dass es in den letzten 15 Jahren 37 große und kleine Reformen im Gesundheitswesen gegeben hat. Die Sparmaßnahmen laufen überwiegend über den Arzneimittelmarkt. Es stellt sich die Frage warum die Banken vom Staat gefördert werden, nicht aber das Gesundheitssystem?

Überaus wichtig ist die Tatsache, dass es immer weniger niedergelassene Ärzte gibt. Schon heute fehlen in Deutschland rund niedergelassene 3.600 Ärzte, Tendenz steigend und der Altersdurchschnitt liegt bei 52 Jahren, auch hier ist die Tendenz steigend. Viele neue Zulassungen (rund 3.500) inkl. Fachärzte, wären möglich, leider fehlen die Bewerber. In den nächsten 10 Jahren werden von diesen Ärzten 22.000 bis 25.000 in den Ruhestand gehen. 2019 werden lt. Statistik gut 50.000 Arztsitze vakant sein. Nachrücker gibt es nicht genug, viele junge Ärzte wandern aber leider in andere, nichtärztliche Bereiche ab, dazu gehören die Pharmaindustrie und die Forschung. Es scheint aber auch lukrativer zu sein, Angebote aus dem europäischen Ausland anzunehmen, hier ist die Bezahlung deutlich besser als in Deutschland. Vorschläge zur Abwendung wären z. B. Zweigstellen auch außerhalb des KV-Bereichs oder Teilzulassungen für Praxis und Klinik.

Ein weiterer auffälliger Faktor ist der, dass der Anteil an Hirnerkrankungen in den letzten Jahren gestiegen ist, ein Ende ist noch nicht anzusehen. 35% aller Kosten gehen lt. WHO auf Neuro-psychiatrische Krankheiten zurück, das waren 386 Billionen Euro in 2005. Hier ist die Ungleichverteilung von Geld und Patienten auch unter den Nervenärzten, Psychiatern, ärztlichen Psychotherapeuten und Psychologischen Psychotherapeuten extrem. 72 % aller Fälle stehen 26 % Leistungen gegenüber, rund 50 5 der Leistungen gehen an Behandler, die lediglich 19 % der Fälle behandeln. Häufig ist der Grund für eine Psychiatrische Erkrankung der frühe Einstig in die Rente. Auch bei Kindern liegt der Anteil psychisch Kranker erschreckend hoch. Gerade diese Krankheitsbilder sind sehr kostenintensiv. Die Verteilung des Geldes muss verbessert werden, das Geld muss beim Patienten ankommen.

Von Klaus Pohl, Regionaldirektor der Barmer GEK konnten wir in einem Vortrag erfahren, dass die Ausgaben der Kassen in den letzten Jahren – im Vergleich zu den Einnahmen – recht stabil geblieben sind. Sollte die Kopfpauschale von der schwarz/gelben Regierung eingeführt werden und wir legen die Zahlen von 2010 zugrunde, müssen rund 89 Mrd. Euro über die Kopfpauschale finanziert werden.
Beispiel:
Gesamtausgaben der GKV 174 Mrd. Euro
./. 7 % Arbeitgeberanteil 72 Mrd. Euro
./. Bundeszuschuss 11,658 Mrd. Euro
./. Beiträge geringfügig Beschäftigter 2,55 Mrd. Euro
Restbedarf 89 Mrd. Euro

Daraus ergibt sich die schon vielfach genannte Durchschnittssumme von 145,00 € monatlicher Kopfpauschale pro Mitglied. Bei einem Einkommen von 1.835,00 € monatlich liegt derzeit der Beitrag für die GKV bei 145,00 €, wer weniger verdient – und das sind bei der Barmer etwas mehr als 60 % - benötigt einen Zuschuss vom Staat. Das heißt, mindestens 32 Mio. GKV-Mitglieder sind betroffen.

In der anschließenden Diskussion kam sehr deutlich heraus, dass von der Mehrheit der Bevölkerung diese Änderung nicht gewünscht wird. Wie das allerdings aufzuhalten ist oder sein soll blieb vorerst offen – hier bedarf es noch einiger Diskussionen.
 


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